Methodik

Die blühende Vegetation produziert Blütenstaub (Pollen) (Abb.1). Dieser wird durch Wind, Insekten, Vögel etc. weit verbreitet.
Der Inhalt des Pollenkorns ist durch eine sehr resistente Hülle aus so genanntem Sporopollenin geschützt. Sporopollenin ist ein extrem widerstandsfähiges Material, das gegenüber einer Vielzahl chemischer Prozesse unempfindlich ist, so dass die Pollenkörner bei geeigneten Bedingungen (in erster Linie Sauerstoffabschluss) über Jahrtausende unversehrt erhalten bleiben können.



Um pollenanalytisch arbeiten zu können, muss zunächst von einer geeigneten Stelle ein Profil mit einem Moorbohrer oder Ähnlichem geborgen werden. Am besten geeignet sind Moor- oder Seesedimente, da dort ein lebensfeindliches, anaerobes Milieu herrscht, und deshalb die Pollen weitgehend vor Bakterienfraß und Oxidation geschützt sind (Abb.2).


Nach der Kernentnahme werden Sedimentproben aus dem Profil entnommen (Abb.3). In der Regel reicht schon eine Menge von 0,3 cm³. Pollenkörner haben eine Größe von wenigen µm bis etwa 100 µm, sind also nicht mit bloßem Auge, sondern nur durch das Mikroskop zu erkennen. Deshalb muss die Probe zuerst im Labor chemisch aufbereitet werden, wobei möglichst alles ‚Nicht-Pollenmaterial' weggelöst wird. Danach kann die Probe unter dem Mikroskop ausgewertet werden (Abb.4). Da Pollenkörner unterschiedlicher Pflanzen eine spezifische Gestalt haben, können sie meist bis zur Familie, oft auch bis auf die Art, bestimmt werden. So kann rekonstruiert werden, welche Vegetation zur Zeit des Polleneintrags in das beprobte Sediment existierte.
Bei längeren Pollenprofilen kann auf diese Weise die Vegetationsbedeckung einer Landschaft und ihre Veränderungen über Jahrtausende rekonstruiert werden.

Auch wenn man die ariden Gebiete Syriens lange Zeit für pollenanalytische Studien ungeeignet hielt, konnten eine Reihe pollenführender Ablagerungen geborgen werden, die momentan am Frankfurter Labor für Archäobotanik ausgewertet werden.

Für nähere Informationen über die Pollenanalyse siehe z. B.:
FAEGRI, K. UND IVERSEN, J. (1989) Textbook of Pollenanalysis. 4. Aufl.; Chichester (John Wiley & Sons).

MOORE, P.H., WEBB, J.A. & COLLINSON, M.E. (1991) Pollen Analysis; Oxford (Blackwell Scientific Publications).

 

Abb.1: Pollenkörner sind mikroskopisch kleine Pflanzen, die sich durch ihre Morphologie voneinander unterscheiden.

 

 

Abb.2: Das Foto zeigt eine Profilentnahme mit einem Bohrstock in einem Sumpfgebiet in Syrien.

Abb.4: Nachdem die Sedimentproben im Labor aufbereitet wurden, können die fertigen Pollenproben unter dem Mikroskop analysiert werden.

Abb.3: Nach der Kernentnahme werden Sedimentproben aus dem Profil genommen.