Aktuelles Projekt:
"Vegetationsgeschichtliche und archäobotanische Untersuchungen in der syrischen Jazira unter besonderer Berücksichtigung des 3. vorchristlichen Jahrtausends"
Die syrische Jazira ist aus der Sicht der Archäologie eine der bedeutendsten Landschaften des Nahen Ostens. Sie liegt südlich des Taurus am Oberlauf von Euphrat und Tigris und damit zentral im so genannten fruchtbaren Halbmond (Abb.1). Es könnte diese Landschaft gewesen sein, in der vor etwa 10.000 Jahren das früheste Neolithikum entstanden ist. Aber nicht nur das präkeramische Neolithikum verleiht der Landschaft seine herausragende archäologische Bedeutung, sondern auch die Besiedlung in den späteren Perioden. Hierbei soll vor allem die Frühe Bronzezeit genannt werden, in der sich zu Beginn des 3. Jt. v. Chr. - ausgehend von Entwicklungen in Mesopotamien - nun auch in Syrien eine frühe Urbanisierung abzeichnete. Eine spezielle Gruppe von urbanen Zentren, die so genannten "Kranzhügel", spielte dabei eine besondere Rolle. Ihre Verbreitung beschränkt sich auf einen relativ kleinen Raum nördlich des Euphrats, und zwar auf die Steppengebiete zwischen dem Oberlauf der Flüsse Khabur und Balikh sowie auf das Gebiet nördlich des Djebel Abd al-Aziz. In der Umgebung der größten dieser Anlagen, Tell Chuera, wurde besonders intensive Geländearbeit durchgeführt. (Abb.2)


Betrachtet man die heutige trockene, karge und fast menschenleere Steppenlandschaft in diesem Gebiet, stellt sich die Frage, wie eine große Zahl von Siedlungen hier im 3. Jt. v. Chr. entstehen konnte. Wie ernährte sich die Bevölkerung und warum verließen die Menschen das Land wieder? Trotz fast einem Jahrhundert intensiver archäologischer Erforschung der syrischen Besiedlungsgeschichte ist jedoch noch immer kaum etwas über die dortige Vegetationsentwicklung bekannt und diese Frage nicht geklärt.
Auch wenn
man die ariden Gebiete Syriens lange Zeit für pollenanalytische Studien
ungeeignet hielt, haben in der Vergangenheit vor allem die Untersuchungen
von Seitze Bottema, Willem van Zeist und Arlette Leroi-Gourhan gezeigt, dass
auch in diesem Gebiet Pollenablagerungen zu finden sind.
Die eigenen Untersuchungen führten zu einer Reihe pollenführender
Ablagerungen, die momentan am Frankfurter Labor für Archäobotanik
ausgewertet werden und demnächst vorgestellt werden sollen.
Abb.1: Als Jazira (dt. Insel) wird die Landschaft südlich des Taurus, zwischen Euphrat und Tigris bezeichnet. Sie liegt zentral im so genannten "fruchtbaren Halbmond".
Abb.2: Die "Kranzhügel"-Anlage von Tell Chuera erhebt sich weithin gut sichtbar über die flache Steppenlandschaft. Die Verbreitung dieser Anlagen beschränkt sich auf ein relativ kleines Gebiet zwischen dem Oberlauf der Flüsse Khabur und Balikh sowie das Gebiet nördlich des Djebel Abd al-Aziz.